Steff Gruber

Dedication

01 Vita
01.01 Präambel
01.02 CV Deutsch lang | kurz
01.03 CV English long | short

02 Cinéma
02.01 Films
02.02 Filmography
02.03 Press

03 Art
03.01 Internet Projects
03.02 Photography
03.03 Writing

04 Teaching

05 Enterprises
06 Work-In-Progress
07 Picture Gallery
08 Texts
09 Archive
10 Contact
11 Jobs
12 Links

 

 

 

 


 
 
     
 

 

 

NETDESIRE.COM

Seit das Internet existiert, lange vor dem AufschaIten des World Wide Web (WWW), wird es mit erotischen und pornografischen Inhalten beladen. In seinen Anfangszeiten, als es hauptsächlich als Informationsmedium für die (u. a. militärische) Forschung eingesetzt wurde, existierten im Internet neben den Newsgroups für technische Themen solche für Austausch von pornografischem Material. Heute existieren rund 30'000 Newsgroups im WWW. Rund ein Drittel davon behandeln ausschliesslich Erotisches und Pornografisches. Man kann davon ausgehen, dass das WWW quantitativ absolut dominiert wird vom Thema Sex. Kommerziell gesehen sowieso, die Umsätze der im Internet agierenden Pornoindustrie sprechen für sich. Besessenheit und erotomanischer Sammlertrieb beherrschen offenbar das Individuum bei seiner Beschäftigung mit Erotik im WWW. Anders lässt sich die Überschwemmung des lnternets mit frei zugänglichen Nacktaufnahmen von Frauen und Freundinnen, welche sich eindeutig vor der heimischen Wohnwand produzieren, nicht erklären.

Zur Installation

Eine Crew von 10 virtuellen Robotern suchen jede Nacht das WWW von Zürich aus nach frei zugänglichen erotisch-pornografischen Privatfotos ab – systematisch und limitiert nach genau definierten Stichwörtern. Ihre Beute pro Nacht beträgt ca. 15'000 Aufnahmen zum Thema. Hochgerechnet macht dies 3'000'000(!) Fotos pro Jahr. So kamen in den letzten 8 Jahren rund 24'000'000 frei zugängliche Darstellungen von sich entblössenden Frauen und Männern zusammen.

 

Die gesammelten und elektronisch archivierten Nacktdarstellerinnen wurden in einem weiteren Schritt als Aneinanderreihung filmisch umgesetzt. So erscheinen die Entblössten überraschend abstrakt und werfen wegen des streng seriellen Charakters der Filmdramaturgie Fragen nach Bedeutung, Austauschbarkeit und Beliebigkeit auf. Fragen, die sich auf das WWW bezogen generell stellen und insbesondere auf dessen Inhalt No.1, der nackten Selbstdarstellerinnen. Wenn man davon ausgeht, dass das Internet heute immer noch vor allem das Sprachrohr der westlichen Welt ist, so ist es sozio-kulturell gesehen überaus interessant zu untersuchen, was sich Männer und Freunde für ein Bild ihrer privaten Partnerinnen machen, respektiv in welchem Kontext sich diese im World Wide Web hüllen- und zügellos präsentieren - im Wissen darum: von aller Welt gesehen werden zu können. Die täglich aktiven Suchroboter machen so das WWW zum Fiebermesser der Befindlichkeit unserer Gesellschaft.

Sacha Serfözö